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Strohhalm 2. Ausgabe Nr.l / 1990 Sonderbeilage Seite 11
...konzentrieren. So fällt z.B. auf, daß er immer exakt gegen den Wind startet. Ist er beim Start gehandicapt etwa durch Schreck (wie das nichtverbrannte Tier des Falles d) oder dadurch, daß ein elektrischer Strom Muskelkrämpfe verursacht, kommt es zum Absturz. Die von Oberschleißheim attestierten "Schläge mit einem stumpfen Gegenstand" sind in Wirklichkeit die Aufschläge auf den Erdboden, die zum Tode oder zu mehr oder weniger schweren Verletzungen führen. Isolierschlauch und Isolierspirale schützen den Storch nicht. Sie ersetzen nur eine Todesursache durch eine andere.
Entsprechend können die Unfälle auf Betonmasten mit Horizontalisolatoren (Abspannmast) erklärt werden (Fall h). Man denke sich den Storch mit einem Bein auf der geerdeten Betontraverse und mit dem anderen auf dem (verschmutzten) Keramikisolator stehend, diesen etwa zur Hälfte überbrückend. (Abb.4)
Ebenso Fall i): Holzmast mit Stahltraverse und Stellung des Storches wie in Abb.2. Hat der Holzmast durch Feuchte seine ideale Isoliereigenschaft verloren, wird das Tier elektrisiert.
Bei unserem letzten Gespräch mit der ÜVO haben wir erfahren, daß man den Killermast in Zukunft durch Einspreizen einer Kunststoffschiene etwa in halber Höhe zwischen den stehenden Isolatoren entschärfen will (Fi~ 5). Wir bedauern dieses Vorhaben, denn es bedeutet das bewährte Verfahren der isolierten Sitztraverse durch ein anderes zu ersetzen, welches nur funktioniert, wenn nicht auch hier gefährliche Kriechströme fließen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist zwar geringer als beim Isolierschlauch, da die Kriechstrecke im Dezimeterbereich lie~t. Diese Frage sollte im Laborversuch geklärt werden, nicht im Freilandversuch mit den letzten Störchen als Versuchstiere. Möglicherweise wäre die Kombination von Isolierschiene und Isolierschlauch eine brauchbare Lösung.
In der Netzüberwachung bedeutet der Ausdruck "Erdwischer", daß ein stark verschmutzter und/oder nasser Isolator durch einen angedeuteten Kurzschluß seine Oberfläche wieder sauberbrennt. Kriechströme gibt es also auch ohne Storcheinwirkung.
Zusammenfassung
Tod durch UnterkühIung nach heftigem Regen im Horst, der durch eingetragenes Plastik wasser- undurchlässig geworden ist
und Tod an elektrischen Freileitungen, vor allem durch Betonmaste der Mittelspannungsklasse mit stehenden Isolatoren ("Killermaste") bilden mit Abstand die höchsten Mortalitätsraten des (juvenilen} Weißstorchs. Die Beseitigung dieser beiden Gefahren sind Voraussetzung für die Erhaltung der Art.
Killermaste müssen nicht nur im Horst- und Nahrungsbereich der Störche sondern auch längs der Zugwege (bis zur Donau und donauabwärts) entschärft werden. Als
Entschärfungsmaßnahme hat sich die isolierte Sitztraverse bewährt (Abstandsmethode). Der Isolierschlauch (Isoliermethode) hat sich nicht bewährt, da die nach Verschrnutzung auftretenden Kriechströme aufgebaumte Störche elektrisieren und zum Absturz bringen.
Die in der Mittelspannungsklasse auch üblichen Betonmaste mit Horizontalisolatoren (Abspannmaste) und Holzmaste mit Stahltraverse und stehenden Isolatoren, müssen auch als lebensgefährlich für den Storch angesehen werden. Von allen auf Elektromasten aufbaumenden Vogelarten hat der Storch die größte Schrittweite. Neue Entschärfungsmethoden müssen im Labor unter realistischen Bedingungen auf Taulichkeit getestet werden, nicht erst im Freilandversuch mit dem Storch als Versuchstier.
Edmund Lenz & Michael Zimmermann
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