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Strohhalm 2. Ausgabe Nr.1 / 1990 Sonderbeilage Seite 10
..und versuchte mehrere Sekunden lang wegzufliegen, was aber trotz heftiger Flügelschläge nicht gelang. Plötzlich kam es los und stürzte wie ein Stein zu Boden. Ich lief zu der Stelle, da erhob sich das Tier und lief stark hinkend, mit den Flügeln schlagend, langsam weg." Das starke Hinken hielt einige Wochen an und besserte sich dann.
g) 2.8.89
Ein weiteres Jungtier von Gerhardshofen hinkt stark. Auch dieser Schaden bessert sich erst nach Wochen. Günstig wirkt sich im Fall f und g aus, daß die Fütterung, die nach dem Tod des männlichen Alttieres (Fall b) eingerichtet worden war, sofort wieder aktiviert werden konnte, ohne daß eine Gewöhnungszeit notwendig geworden wäre.
h) 4.8.89
In Baiersdorf, etwa 200 m südlich der Regnitzbrücke, liegt am Fuße eines Betonmastes ein toter Storch. Das Tier weist keine Brandverletzungen auf. Die Obduktion in OberschIeißheim ergibt: innere Blutungen nach Schlag mit einem stumpfen Gegenstand.Ein Jahr vorher wurde unter dem gleichen Mast ein schwerverletzter Storch gefunden, der kurze Zeit später starb. Der Mast ist mit Horizontalisolatoren (Abspannmast) ausgerüstet, die Leiterseile sind unter derTraverse geführt. Zwei Jahre vorher passierte es in Adelsdorf an einem ähnlichen Masttyp (Endmast). Auch hier keine Verbrennungen.
Da ein direkter Leitungskontakt nicht plausibel ist, wurde dieser Masttyp von den Elektroversorgungsunternehmen als "nicht gefährlich" eingestuft.
i) 28.8.89
Im Aischgrund bei Oberhöchstädt steht auf der Stahltraverse eines Holzmastes der dortigen Mittelspannungsfreileitung ein Storch. Ein Augenzeuge gibt exakt die gleiche Schilderung wie unter f mit nur einem Unterschied: durch den Absturz brach sich dieses Tier den Oberschenkel, das Bein hängt beim Fliegen herunter. Es gelingt uns, das Tier mit Hilfe eines präparierten Fisches zu narkotisieren. Unter gleicher Narkose operiert und nagelt Dr. Gaukler im Nürnberger Tier.garten die Fraktur. Das Tier ist inzwischen genesen und wird im Frühjahr 90 aus dem Tiergarten in die Freiheit entlassen.
Die Interpretation der Ereignisse
Für Ereignis d) wurde bereits eine Erklärung gegeben, Ereignis e) kann nicht aufgeklärt werden, da wir das tote Tier nicht zu Gesicht bekamen. Alle anderen Unfälle haben mit Sicherheit (b,c,f,i) bzw. wahrscheinlich (a,.g,h) die gleiche Ursache. Nach Gesprächen mit Starkstromexperten, denen wir an dieser Stelle zu danken haben, sind sie wie folgt zu erklären:
Die Schlauchisolierung (bzw. Spiralisolierung) verhindert zwar den Starkstroms chi ag über Erdschluß, an seine Stelle tritt jedoch das Phänomen des Kriechstromes, welcher sich nach Verschrnutzung und Nässung durch (sauren) Regen und Tau einstellt. Der elektrische "Volumenwiderstand" des Isolatormaterials ist zwar nach wie vor vorhanden (Me.gohmbereich), doch sind durch Verschrnutzung der Oberfläche bewegliche elektrische Ladungsträ.ger entstanden, deren Bewegun.gen im elektrischen Feld sich zu einem oberflächlichen Kriechstrom akkumulieren. Kriechströme sind umso stärker, je kürzer die Kriechstrecke ist. Beim län.gs.geschlitzten
Isolierschlauch (bzw. bei Spiralen) beträgt diese vom spannungsführenden Leiterseil bis zum Fuß des Storches (siehe Abb.2) wenige cm. Kriechstromstärken im Milliampere Bereich sind dann durchaus plausibel. Sie reichen erfahrungsgemäßaus, selbst beim Menschen Muskelkontraktionen hervorzurufen, die im Extremfall bis zum Herzstillstand führen. Der "schwere Segelflieger" Storch muß sich beim Start voll...
(Fortsetzung Seite 6)
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