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Strohhalm 2.Ausgabe Nr.1 / 1990 Sonderbeilage Seite 8
a) 15.6.89
Das brutpflegeende Weibchen von Vach hinkt so stark, daß eine Beinfraktur vermutet wird. Da im Fluge die Beine parallel gehalten wurden, ist eine Fraktur auszuschließen. Das Hinken hält mehrere Wochen an. Sie ist zeitweise beuteunfähig und lebt vom Nahrungseintrag des Männchens für die Jungen.
b) 24.6.89
Das brutpflegende Männchen von Gerhardshofen verunglückt tödlich. Für seine letzten Lebensminuten gibt es einen Augezeugen, welcher schildert:
"Der Storch saß auf einem Elektromast am nordwestlichen Ortsrand (Killermast, schlauchisoliert. Anm.d. Verf.), mit einem Zweig im Schnabel.Plötzlich wollte er starten und schlug mehrmals mit den Flügeln. Er kam jedoch trotz heftiger Anstrengung vom Mast nicht los. Als es schließlich doch gelang;, erfolgte ein Abwärtsflug, der nach etwa 30 m mit einem Aufprall auf dem Boden endete, wo das Tier tot liegenblieb." Auf Anfrage teilte der Zeuge noch mit, daß er weder Funken noch einen Knall wahrgenommen hätte. Es wurde auch kein Spannungseinbruch registriert. Zwei Stunden später hatten wir das tote Tier in Händen und konnten trotz sorgfältiger Suche kein Brandmal finden. Wir schickten das tote Tier zum Institut für Geflügelkrankheiten der Uni München in Oberschleißheim. Der Befund: Zerschmetterte Lunge, Blutungen in der Leibeshöhle, Leberriß, kein Hinweis auf Tod durch Stromschlag. Todesursache: Schlag mit einem stumpfen Gegenstand. Gegen die Vermutung, daß das Tier schon vor Anflug des Mastes tödlich verletzt war, spricht der Zweig im Schnabel, den es offenbar zum Nestweiterbau eintragen wollte. Das Verhalten war also ganz natürlich.
c) 20.7.89
Am Mastfuß eines Betonmastes, Killermast mit Isolierspirale "entschärft", wird im Regnitzgrund bei Mannhof ein frischtoter Jungstorch gefunden. Er hat keinerlei Brandmal. Obduktionsbefund in Oberschleißheim wie unter b., jedoch ohne Leberriß. Kein Spannungseinbruch im Leitungsnetz, kein Augenzeuge
d} 26.7.89
Im Nahrungsraum der Vacher Störche, südlich von Vach, erhält ein Jungstorch einen tödlichen Stromschlag verbunden mit schweren Verbrennungen auf einem nichtentschärften Killermast. Das FÜW hatte in verantwortungsloser Weise einen ganzen Leitungszweig nicht entschärft. Ein zweites Jungtier, welches sich offenbar auf dem gleichen Mast befand, stürzte etwa 5 Meter vom Mastfuß entfernt auf den Boden und blieb schwerverletzt liegen. Es starb nach ein paar Tagen im Tiergarten Nürnberg an schweren inneren Verletzun.e;en. Es hatte kein Brandmal. Solche Doppelereignisse, wobei nur ein Tier Verbrennungen aufwies, haben wir schon wiederholt erlebt. Das zweite Tier stürzt, offenbar vor Schreck, gelähmt zu Boden und zieht sich hierbei schwere oder tödliche Verletzungen zu.
e) 29.7.89
Im Aischgrund bei Adelsdorf an der Straße nach Uttstadt hinter dem Sportheim, stürzt ein Jungstorch von einem Killermast zu Tode, der mit einer isolierten Sitztraverse entschärft war. Dies ist der einzige Storchenunfall unseres Gebietes, der uns seit Einführung der Abstandsmethode bekannt geworden ist. Die Untersuchung des toten Tieres wäre daher von größtem Interesse gewesen. Die Gemeinde hat den Unfall pflichtbewußt gemeldet und zwar der Landeszentrale desLandesbundes für Vogelschutz in Hiltpoltstein und bekam von dort die Anweisung, das Tier zu vergraben. Als wir davon erfuhren, war der Kadaver schon mit Müll bedeckt.
f) 31.7.89
Am westlichen Ortsrand von Gerhardshofen steht ein Jungtier auf einem schlauchentschärften Killermast. Ein Augenzeuge berichtet: "Plötzlich wurde das Tier hektisch
(Fortsetzung Seite 5)
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