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Strohhalm 2. Ausgabe Nr.l / 1990 Sonderbeilage Seite 5
...besonders Betonmasten des Mittelspannungsbereichs bei be stimmten Isolatorsteilungen: relativ harmlos sind solche mit hängenden Isolatoren (siehe Titelbild), es sei denn, der aufgebaumte Storch, dessen Füße ja praktisch geerdet sind, setzt einen Kotstrahl exakt auf ein Leiterseil. Er erzeugt damit einen Kurzschluß und erleidet tödliche Verbrennungen. Wir haben von solchen Unfällen schon gehört. Die Eintrittswahrscheinlichkeit scheint aber gering zu sein, so daß diese Gefahr hingenommen werden könnte.
Dann gibt es eine Leitungsmontage mit horizontalen Isolatoren, zwei für jedes Leiterseil ("Abspannmaste"). Verläuft die Leitungsführung am Ort des Mastes unterhalb der Traverse (Abb.1 a). dann wurde bislang die Gefährdung ähnlich wie beim hängenden Isolator als relativ gering eingeschätzt. Bei einer Seilführung oberhalb der Traverse (Abb Ib) und bei stehenden Isolatoren (Abb.2), wächst die Stromschlaggefahr stark an, weil die Wahrscheinlichkeit (bei geerdeten Füßen) ein spannungsführendes Leiterseil zu berühren, sehr groß ist. Man spricht hier vom "Killermast" schlechthin.
Unsere Gesprächspartner vom FÜW und der ÜVO waren etwa ab 1983 bereit die Killermasten im Horstund Nahrungsbereich von Störchen etappenweise zu entschärfen, nicht zuletzt auch aufgrund des öffentlichen Drucks, der durch einschlägige Berichte der Tagespresse entstanden ist.
Die beiden Unternehmen entschlossen sich allerdings für verschiedene Entschärfungsmethoden:
Die ÜVO folgte unserem Vorschlag und montierte "isolierte Sitztraversen". (Abb.3) Zwei stehende Kunststoffrohre tragen ein Querrohr aus dem gleichen Material, welches in hinreichendem Abstand über den Leiterseilen verläuft. Diese Methode hat die Vorteile, daß die Füße des aufgebaumten Storchs nicht mehr geerdet sind (so daß auch ein Kotstrahltreffer nicht mehr gefährlich wäre) und daß das Tier zu den Leiterseilen auf Abstand gehalten wird. (Abstandsmethode).
Das FÜW setzte auf Isolierung der Leiterseile selbst (einen knappen Meter auf beiden Seiten der Traverse). In der ersten Zeit wurden Isolierspiralen aus Kunststoff verwendet, später ging man zu Isolierschläuchen aus Plastik über, welche der Länge nach aufgeschnitten sind und von Kunststoffschellen, welche Leiterseil und Isolierung umgreifen, gehalten werden (Isoliermethode).
Insgesamt wurden wohl mehrer hundert Masten behandelt.
Die Folgen der Entschärfungsmaßnahmen
Weder auf Masten mit isolierten Sitztraversen noch auf solchen mit Isolierschläuchen (bzw. Spiralen) ist uns bis heute (Ende 89) ein nachweisbarer Stromschlagunfall bekannt geworden. (Kennzeichen eines solchen sind: mehr oder weniger starke Verbrennungen des Opfers, Spannungseinbruch im Versorgungsnetz, Blitz und Knall des Erdschlusses. Oft bleiben an der Kontaktsteile .Haut- oder Gefiederreste hängen.) Leider wird dieser Erfolg nahezu kompensiert, indem nun auf den ersten Zugetappen Ende August südlich des Brutgebiets z.B. in den Talauen von Jagst und Kocher, in denen der linken Donaunebenflüsse und donauabwärts vermehrt Stromschlagppfer zu registrieren sind. Es reicht also nicht aus, nur Horst und Nahrungsbereiche zu entschärfen. man muß auch die Zugwege sicherer machen!
Leider gibt es auch innerhalb der entschärften Gebiete zahlreiche Verletzungen und tödliche Unfälle, die zweifelsfrei von Elektromasten verursacht wurden. Zum Verständnis dieses Phänomens, eine Chronologie der Unfälle von 1989:
(Fortsetzung Seite 4)
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