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Strohhalm2. Ausgabe Nr.1 / 1990 Sonderbeilage Seite 2
STROMSCHLAG UND KRIECHSTROM ZWEI TOEDLICHE GEFAHREN FUER UNSERE LETZTEN STOERCHE
Effektivität von "Entschärfungsmaßnahmen" gefährlicher Freileitungsmasten.
Wir beschäftigen uns seit 1983 in ehrenamtlicher Arbeit mit der Jugendsterblichkeit des Weißstorchs. Unser Beobachtungsgebiet ist der Raum Fürth-Erlangen-ForchheimNeustadt/ Aisch, also etwa nördliches Mittelfranken und südliches Oberfranken, mit etwa 10-12 Brutpaaren. Ende 1988 haben wir einen Aufsatz zu diesem Thema geschrieben. Darin wird zusammenfassend nach dem Schicksal von 100 geschlüpften Jungstörchen in den ersten 12 Lebenswochen gefragt~ Die Antwort wird in Form einer Grafik ("VersucheinerQuantifizierung") gegeben, welche wir in diesem Aufsatz übernommen haben. Sie zeigt, daß die beiden Todesursachen:
- Unterkühlung nach heftigem Regen in dem durch Plastikeintrag wasserundurchlässigen Horst in den ersten vier Lebenswochen
- und Tod durch elektrische Freileitungen kurz nach dem Ausfliegen einen erschreckend
hohen Anteil ausmachen und alle anderen Gefahren weit übertreffen. Es wird klar, daß die Hoffnung auf die Erhaltung des Weißstorchs mit der Beseitigung dieser beiden Verlustraten steht und fällt.
1988 sind z.B. die gesamten Bruten von Weiltingen und Adelsdorf nach heftigem Regen an Unterkühlung gestorben und 1989 kam die gesamte Brut vonVach durch elektrischeFreileitungen ums Leben. Wahrscheinlich zog sich das weibliche Alttier von Vach auf die gleiche Weise eine so schwere Beinverletzung zu, daß es über Wochen nur beschränkt beutefähig war.
Was die Verlustrate durch Unterkühlung betrifft, so muß die Horstbetreuung durch die Vogelschutzverbände verbessert werden. Der Horstbetreuer muß die Gefahr kennen und die paar Handgriffe beherrschen, wie man das Plastik entfernt und den Horst wasserdurchlässig macht. Unverständlicherweise lehnt die Naturschutzbehörde bei der Regierung von Mittelfranken in Ansbach, offenbar in Unkenntnis der tatsächlichen Verlustrate, eine solche Hilfeleistung ab und bedroht den, der sie in Eigenverantwortung durchführt, mit Strafe.
Zur Reduzierung der Freileitungsopfer sind die Elektroversorgungsunternehmen gefordert. Es geht hierbei keineswegs ausschließlich um den Storch. Er nimmt allerdings unter allen auf Elektromasten "aufbaumenden" Arten durch seine große Schrittweite eine besonders gefährJiche Sonderstellung ein
Das kurze, aber dennoch normale Leben des Radolfzell 01831
Bis vor zwei Jahren sind alle fränkischen Jungstörche aus wissenschaftlichen Gründen mit einem Alu-Ring der Vogelwarte Radolfzell versehen worden. Man hat damit aufgehört, als bekannt geworden war, daß das Tragen eines Rings zusätzliche Gefahren mit sich brachte. Die Ringnummer 01831 bekam ein Jungstorch im Horst auf der Brauerei Dorn in Vach. Er war Mitte Mai 82 mit seinen drei Nestgeschwistern aus dem Ei geschlüpft und wuchs, von seinen Eltern hervorragend versorgt, prächtig heran. Wegen der Nähe und der Höhe des Brauereigebäudes und der Großzügigkeit seines Besitzers wurden 01831 nebst Familie die meistfotografierten freilebenden
Tiere weit und breit. Ende Juli wurden nach intensivem Training....
(Fortsetzung Seite 2)
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